Geniesser-Berichte
19 September 2011 / 10:27
Kölnpfad Nachlese

Okay, ich ging im Vorfeld des Kölnpfads nicht davon aus, dass ich den Lauf ohne Verlaufer absolvieren würde. Aber ich war sicher, den Weg so gut zu finden, dass sich die Zeitverluste in Grenzen halten würden. So ganz ohne Erfahrung im Ablaufen von Wegen nach Wegmarkierungen bin ich ja nicht. Und all die Male, bei denen ich mich so auch in unbekanntem Terrain nach Karte orientiert habe, kam ich gut durch. In Köln klappte davon gerade anfangs so gut wie nichts. Bis zum ersten Verpflegungspunkt verliefen wir uns so oft, dass ich dort am äußersten Rand meines Zeitfensters einlief. Alles nicht schlimm, ich war zuversichtlich, würden wir es ab dort besser machen, die “verlorene” Zeit käme allein durch das Vermeiden weiterer Verlaufer locker wieder rein.

Dann kam Bensberg und dort liefen wir 1.) im Kreis, 2.) trotz intensivem Kartenstudium direkt anschließend in die völlig falsche Richtung. Und ab dort war in meinem Kopf eine nie gekannte Leere. Gelingt es mir sonst in Krisensituationen auf Automatikmodus zu schalten, also einfach zu laufen … zu laufen … zu laufen …, konnte ich gerade genau das dieses Mal nicht. Es schien das Getriebe zu fehlen, dass die Verbindung zwischen Gangschaltung und Motor darstellt - mit anderen Worten: Es fehlte die Verbindung zwischen Körper und Geist. Und das war es dann auch schon mit dem Lauf … Nach 9 Stunden stieg ich aus.

Jetzt denke ich, dass der Ausstieg unnötig war. Okay, hinterher ist man immer schlauer, aber wenn ich mir so die Bilder anschaue - http://fotomac.de/#gallery/03_Menschliches/171km -, sah ich während des Laufes saugut aus. Und es lief ja auch. Trotz der nicht gerade laufbegünstigenden Witterung (30 Grad und recht hohe Luftfeuchtigkeit) war der Körper im Grünen Bereich. Die Beine waren locker, die Füße blasenfrei, der Kreislauf schnurrte den Umständen entsprechend recht munter vor sich hin … Nur: Der Kopf, der wollte nicht. Da war nur Leere. Und da half es auch nicht, dass mich meine Freundin fortwährend zu motivieren versuchte. All ihre völlig zutreffenden Argumente für ein Weiterlaufen verschwanden in der Leere in meinem Kopf. Sie kamen nicht dort an, wo sie hätten wirken können. So etwas habe ich bislang noch nicht erlebt. Ich beiße mich gerne durch. Kampf macht mir Spaß (auch mit mir selbst). Gerade dann, wenn Widerstände aufkommen, nehme ich den Kopf zwischen die Schultern und versuche durchzubrechen. In Köln war davon nichts vorhanden. Sang und klanglos nahm der Lauf ein frühes Ende. Ein viel zu frühes …

Im Oktober bietet sich die Möglichkeit, es besser zu machen. Von Hamburg geht es über 100 Meilen (160,9km) nach Bremen. Bis dahin kann ich a) noch etwas trainieren, b) dafür sorgen, dass sich so ein mentales Black Hole nicht wiederholt. Denn noch mal so scheitern, nein, das will ich nicht. Ich will ankommen.

An dieser Stelle vielen, vielen Dank an meine Freundin Ina und natürlich auch an Mac - ihr habt mich toll betreut. Ein dickes Dankeschön auch an Macs Jule für die supergemütliche Schlafcouch vor dem Lauf und das Quatschen vorher & nachher.

Tobias Lagemann

Abgelegt unter: Der LG Vilvo, Tobias

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